Alte Eichenwälder, flatternde Uferschwalben und lautlose Fledermäuse – bei einer gemeinsamen Exkursion des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt-Pfaffenhofen (AELF), des Landratsamts Neuburg-Schrobenhausen sowie des Arbeitskreises Fledermäuse konnten die Teilnehmenden die Natur im Landkreis auf eindrückliche Weise entdecken.
Die rund dreistündige Veranstaltung in der vergangenen Woche führte die Gruppe zu drei ausgewählten Standorten – dem Brucker Forst, dem Betriebsgelände der Franz Schimmer GmbH und dem Dach des Landratsamts in Neuburg – und bot ein facettenreiches Bild darüber, wie unterschiedlich und zugleich miteinander vernetzt Lebensräume in unserer Region sind.
Den Auftakt machte Forstrevierleiter Andreas Ploner, Revierleiter des Forstreviers Klosterberg, mit einer Einführung in naturschutzorientierten Waldbau im Brucker Forst. In seinem Vortrag erklärte er anschaulich, warum es der lichtliebenden Eiche heute schwerfällt, sich natürlich zu verjüngen, und wie moderne, naturschutzorientierte Forstwirtschaft mit gezielten Maßnahmen – von Lichtinseln bis hin zu Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss – nachhilft. Auch die Geschichte der historischen Waldnutzungsformen wie Hutewald und Streunutzung war Thema – Praktiken, die einst ideale Bedingungen für Eichen geschaffen haben. Heute sind die alten Eichen wertvolle Lebensräume für viele Tierarten wie Vögel, Käfer und Fledermäuse.
Uferschwalben brüten in aufgeschütteten Sandbergen
Der zweite Stopp fand auf dem Firmengelände der Franz Schimmer GmbH in Zell statt, wo eine beeindruckende Kolonie von Uferschwalben lebt. Alfred Ribnitzky, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe, stellte die anpassungsfähige Vogelart vor, die in einem künstlich aufgeschütteten Sandberg ideale Brutbedingungen gefunden hat. Eigentlich sind Uferschwalben auf natürliche Steilufer an dynamischen Flüssen angewiesen – doch durch menschliche Eingriffe wie Begradigungen und Uferbefestigungen sind diese Lebensräume selten geworden. Sandgruben und Abbauflächen bieten daher eine wertvolle Ersatzstruktur.
Abgerundet wurde die Exkursion auf dem Parkplatz des Landratsamts in Neuburg. Im Dachstuhl des denkmalgeschützten Gebäudes lebt eine der größten bekannten Kolonien Großer Mausohren in der Region. Anna Pfahler von der unteren Naturschutzbehörde berichtete über die beeindruckenden Tiere. Mithilfe eines Bat-Detektors Mithilfe wurden die Ultraschallrufe im Frequenzbereich zwischen 27 und 37 kHz für das menschliche Ohr hörbar gemacht. So konnte der etwas heimlich anmutende Ausflug auch akustisch begleitet werden– ein besonderes Erlebnis bei Sonnenuntergang. Das Große Mausohr ist eine der größten heimischen Fledermausarten und ist mit etwa 80 adulten Weibchen auf den Dachboden des Landratsamtes vertreten.
Wer mehr über Natur- und Artenschutz erfahren oder sich selbst engagieren möchte, kann sich beim LBV unter Tel. 0173-2002494 oder per E-Mail an neuburg@lbv.de melden.