Immer mehr Kinder und Jugendliche werden im Internet sexuell belästigt oder missbraucht. Die Vorbereitung dieser Straftaten, also die gezielte Kontaktaufnahme und Manipulation von Minderjährigen durch Erwachsene, nennt man Cybergrooming. Mit dem wegweisenden Projekt „Starke Kinder – keine Chance für sexuellen Missbrauch im Netz!“ schlossen sich im Landkreis Pfaffenhofen das Staatliche Schulamt, die Volkshochschule, das Jugendamt, die Polizei, die Schulberatung sowie das Medienzentrum zu einem gemeinsamen Bündnis zusammen, um dem entgegenzuwirken. Ins Leben gerufen wurde das Vorhaben im Herbst 2025 von Eric Streit, Berater für digitale Bildung des Schulamtes.
Ziel ist es, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräfte im sicheren, kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Risiken zu unterstützen. Begleitet wurde die Umsetzung von Manfred Liesaus (freiberufliche pädagogische Fachkraft), Alice Köster Hösl (Leiterin Sachgebiet „vhs, Kultur“ im Landratsamt) und Erich Golda (Schulamtsdirektor).
Cybergrooming kann überall dort stattfinden, wo Kinder online mit anderen Personen in Kontakt treten können. Besonders beliebt und damit risikobehaftet sind Plattformen wie Roblox, TikTok, Snapchat sowie Chats in Videospielen wie z. B. Fortnite oder Brawl Stars. Dort verwickeln die Täterinnen und Täter Kinder und Jugendliche in zunächst harmlose Gespräche. Um die Sicherheitsvorkehrungen der Anbieter zu umgehen, versuchen sie nach der ersten Kontaktaufnahme oft auf private Kommunikationskanäle wie z. B. Whatsapp zu wechseln. Hier drängen sie ihre Opfer dazu, Bilder und Videos zu schicken oder sogar ein persönliches Treffen zu vereinbaren. Jeder junge Mensch ist dieser Gefahr ausgesetzt: Sobald ein Kind Zugang zum Netz hat, kann es mit Cybergrooming konfrontiert oder sogar Opfer sexuellen Missbrauchs werden.
Aufklärung über die Gefahren und klare Regeln über den Umgang mit fremden Personen, die sie über die Chats kennen lernen, können Kinder vor dieser Gefahr schützen. Und genau dort setzt dieses Projekt an.
Für die Grundschulen des Landkreises wurden zwei Schulstunden entwickelt, in denen Manfred Liesaus zusammen mit den Schülerinnen und Schülern zentrale Themen erarbeitet: „Warum Altersbegrenzungen!“, „Vorsicht bei der Kontaktaufnahme – du weißt nie, ob es die Person auf dem Profil wirklich gibt“ und „Gib deine Daten und Bilder nicht an Personen weiter, die du nur aus dem Internet kennst.“.
Darauf aufbauend erhielten Lehrkräfte der Jahrgangsstufen zwei bis sechs Materialien, mit denen sie eigenständig zwei weitere Unterrichtsstunden zum Thema Cybergrooming gestalten können. Viele Schulen im Landkreis beteiligten sich aktiv an der Initiative.
Da der kompetente Umgang mit den neuen Medien und dem Internet im Elternhaus beginnt, richtete sich das Präventionskonzept bewusst auch an Erziehungsberechtigte. Insgesamt organisierten 31 Schulen 20 Elternabende, an denen über 1.000 Eltern teilnahmen. Ziel war es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie schnell Kinder online mit sexuellen Belästigungen in Kontakt kommen können – und wie wichtig klare Regeln und Begleitung sind.
Das Projekt „Starke Kinder im Netz“ ist ein Erfolg. Die hohe Beteiligung und die fachübergreifende Zusammenarbeit der verschiedenen Ämter und Institutionen zeigen, wie wirksam eine gemeinsame Aktion in diesem sensiblen Bereich ist. Denn wenn Schule, Elternhaus und die zuständigen Fachstellen an einem Strang ziehen, gelingt es, Kindern eine sichere digitale Umgebung zu schaffen und die Heranwachsenden zu einem reflektierten Medienumgang zu befähigen.