Ingolstadt/München: Ex-Audi Chef Stadler zeichnet Bild von Zeitnot und Stress

12. Januar 2021 , 12:09 Uhr

Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler hat dem Landgericht München heute einen detaillierten Einblick in die alltägliche Arbeit, den übervollen Kalender und die Zeitnot eines  Vorstandsvorsitzenden gegeben. Die Anklage wirft ihm vor, er hätte es ab September 2015 zumindest für möglich gehalten, dass auch in Europa Dieselautos mit geschönten Abgaswerten verkauft wurden. Trotzdem habe er Produktion und Verkauf gut ein Jahr lang weiterlaufen lassen. Das Landgericht geht bisher davon aus, dass Stadler Betrug an den Autokäufern nicht durch aktives Tun, sondern durch Unterlassen anzulasten sei. Stadler trug der Kammer eine Stunde lang vor, was er als Audi-Vorstandschef und VW-Vorstandsmitglied alles um die Ohren hatte. Bis zu 200 E-Mails täglich an rupert.stadler@audi.de seien bei seinem Sekretariat eingegangen, einen großen Teil davon habe er nie gesehen. Termine seien ständig verschoben, gekürzt oder abgesagt worden, in seinem Büro in Ingolstadt sei er bestenfalls ein paar Stunden pro Woche gewesen. Im Jahr hätten ihn höchstens zehn «blaue Meldungen» über Probleme persönlich erreicht. Er habe keine Erinnerung, dass an dem Schadentisch, wo Probleme besprochen wurden, auch er selbst mit dem Problem der Abgasreinigung befasst gewesen sei. Stadler ist zusammen mit drei ehemals leitenden Motorentwicklern angeklagt. Diese sollen mehr als 400 000 Dieselmotoren ab 2008 so manipuliert haben, dass sie Abgastests bestehen, auf der Straße aber mehr Stickoxide ausstoßen. Stadler soll erst nach Aufdeckung des Skandals durch die US-Umweltbehörde im September 2015 von der Sache erfahren, aber Produktion und Verkauf manipulierter Autos in Europa erst im Januar 2018 gestoppt haben. Seine Anwältin Ulrike Thole sagte am Dienstag, die Anklage sei «wenig konturiert». Der Anwalt des angeklagten Ingenieurs Pamio P. warf dem Gericht vor, trotz Corona-Pandemie den Prozess weiterzuführen, sei unverantwortlich und gefährlich. Er dürfe so nicht länger stattfinden. Der Vorsitzende Richter sagte, der Saal in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim entspreche allen Anforderungen.

Das könnte Dich auch interessieren

20.12.2025 Urteil gegen Stadler ist jetzt gültig Das Urteil gegen Ex-Audi-Vorstand Rupert Stadler im Diesel-Skandal ist rechtsgültig. Der Bundesgerichtshof hat die von den Angeklagten beantragte Revision der Urteile vom Juni 2023 verworfen. Damals hatte das Landgericht München II Stadler wegen Betrugs durch Unterlassen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Außerdem muss er 1,1 Millionen Euro Strafe zahlen. Auch 03.02.2026 Audi Dieselskandal - Ex-Vorstand weist Vorwürfe zurück Mehr als zehn Jahre nach dem Dieselskandal bei Audi ist gestern die juristische Aufarbeitung vor dem Landgericht München II in die nächste Runde gegangen. Zum Prozessauftakt wies der frühere Entwicklungsvorstand des Ingolstädter Autobauers die Vorwürfe der Anklage zurück. Laut Staatsanwaltschaft soll er von der manipulierten Software bei Abgasmessungen gewusst und die Produktion trotzdem genehmigt haben. 31.01.2026 Nächste Prozessrunde im Dieselskandal Der Abgasskandal hängt Audi nach mehr als zehn Jahren noch immer nach. Am Montag beginnt nun vor dem Landgericht München die nächste Prozessrunde. Auf der Anklagebank sitzen vier ehemalige hochrangige Manager des Ingolstädter Autokonzerns. Sie sollen an zentraler Stelle bei Audi für den Dieselskandal maßgeblich verantwortlich gewesen sein, vorerst sind 50 Verhandlungstage angesetzt. Im ersten 03.09.2025 Keine Beteiligung an Autodiebstählen Nach sechs Jahren ist vor dem Landgericht Ingolstadt ein Prozess um mehrere Autodiebstähle zu Ende gegangen. Dem angeklagten Ehepaar konnte man eine Beteiligung am Ende nicht nachweisen, die Verfahren wurden eingestellt, es ist allerdings eine 9.000 Euro Zahlung an eine karitative Einrichtung fällig. Den beiden Angeklagten war der Diebstahl von mehreren Fahrzeugen vorgeworfen worden. Unter