Wirbel um Abbau von Telefonzellen

18.02.2014

Haben öffentliche Telefonzellen im Zeitalter von Handy und Smartphone ausgedient? Diese Frage wird in Schrobenhausen seit kurzer Zeit aufs heftigste diskutiert. Wie aus einer internen Mitteilung der Deutschen Telekom hervorgeht, sollen zwei von sechs öffentlichen Münzfernsprechern im Stadtgebiet demnächst abgebaut werden, weil sich der Betrieb finanziell nicht mehr rechnet. „Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy. Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen nimmt dementsprechend ab“, heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung des Unternehmens.

Betroffen ist in Schrobenhausen unter anderem der Apparat am Lenbachplatz, direkt gegenüber des Rathauses. „Dass diese Telefonzelle nur sehr selten genutzt wird, sehe ich mit eigenen Augen“, sagt Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU). „Jedoch stellt sich die Frage, ob ein Großunternehmen wie die Telekom hier nicht gesellschaftliche Verantwortung trägt – auch für einen kleinen Teil der Bevölkerung, der kein Handy besitzt“. Der Rathaus-Chef will sich deshalb für den Erhalt des Apparates einsetzen.

Auch der Geschäftsführer des Kreiskrankenhaus Schrobenhausen, Dietmar Eine, hatte Anfang des Jahres Post vom zuständigen Telekom-Projektmanager erhalten; demnach soll noch im Winter der einzige öffentliche Telefonapparat am Krankenhauses verschwinden. „Gerade für ältere Patienten ist er die einzige Möglichkeit, mit den Angehörigen Kontakt aufzunehmen“, sagt Eine, und fordert: „Dieser Apparat muss bleiben“.

Endgültig entschieden ist über den Rückbau wohl noch nicht: „Wenn die Gemeinde an einem Standort festhalten möchte, können wir über eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon sprechen“, so die Pressestelle der Konzernzentrale gegenüber intv. Für den Erhalt eines Geräts einen monatlichen Betriebskostenzuschuss zu zahlen, komme zumindest für Dietmar Eine nicht in Frage: „Einen öffentlichen Gesundheitsdienstleister sollte die Telekom durchaus unterstützen können“, so der Krankenhaus-Geschäftsführer. Laut seinen Angaben habe das Telekommunikationsunternehmen mittlerweile signalisiert, den Apparat am Krankenhaus zunächst weiterzubetreiben und in einem halben Jahr einer erneuten Prüfung auf Wirtschaftlichkeit zu unterziehen.