Tag eins nach der Geiselnahme

20.08.2013
Der 24-jährige Mann, der am gestrigen Montag vier Menschen teilweise bis zu neun Stunden als Geiseln gehalten hatte, wurde heute im Klinikum Ingolstadt dem Haftrichter vorgeführt. Der erließ Haftbefehl. Sollte der Mann wie es nahe liegt wegen Geiselnahme angeklagt werden, erwarten ihn mindestens fünf Jahre Haft. Der Geiselnehmer wird noch eine unbestimmte Zeit im Klinikum verbringen, bevor er in eine Haftanstalt mit Krankenabteilung verbracht werden kann.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Helmut Walter entkräftete derweil den Vorwurf, der polizeibekannte Stalker hätte bereits bei einem Verfahren Ende Juli längerfristig weggesperrt werden müssen. Die Gutachter seien damals zu dem Schluss gekommen, von dem 24-Jährigen seien keine schweren Straftaten zu erwarten. Damals, so Walter, gab es keine Anzeichen, dass der Stalker zu einem Geiselnehmer werden könnte.

Während die bayerische Justizministerin Beate Merk nach der Geiselnahme ein härteres Vorgehen gegen Stalker fordert, widersprach Ingolstadts Oberbürgermeister Alfred Lehmann gestern der Forderung nach mehr Kontrollen in öffentlichen Gebäuden. Selbst wenn alle Rathäuser kontrolliert würden, gäbe es mit genügend weitere Einrichtungen wie Schwimmbäder und Büchereien, die man dann auch schützen müsste. Damit sei aber ein öffentlicher Publikumsverkehr nicht mehr möglich.

Daher ging heute auch im Neuen Rathaus in Ingolstadt zumindest nach außen hin der Behördenalltag ganz normal weiter. Das Alte Rathaus, der Ort der Geiselnahme, war für die Öffentlichkeit heute aber nicht geöffnet.