Der Adler landet in Ingolstadt

21.02.2014

Nicht nur Wintersportfans waren vor dem Fernseher dabei, als Sven Hannawald am Dreikönigstag 2002 als erster Skispringer überhaupt den vierfach-Triumph bei der Vierschanzentournee perfekt machte. Mehr als ein Jahrzehnt ist seitdem vergangen und viel ist passiert in Svens Leben. Am einschneidendsten war wohl die Diagnose: Burnout. Darüber und wie das Skispringen sein Leben bestimmt hat, hat Sven Hannawald zusammen mit Ulrich Pramann ein Buch geschrieben. Am Donnerstag stellte er es vor zahlreichen Gästen im DK-Forum während der „LeseLust“ vor. „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“ ist eine Biographie, in der Hannwald und Pramann eindrucksvoll schildern, wie sehr das Skispringen das Leben des gebürtigen Sachsen bestimmt hatte und wieso nicht nur der Körper, sondern auch der Geist in Topform sein müssen, um erfolgreich zu sein.

Hannawald sprach über den 6. Januar 2002, als ihm der historische vierte Sieg bei der Vierschanzentournee gelang, aber auch, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt merkte, wie sehr der Sport an ihm zehrte. Aufgewachsen in der DDR kam er mit 12 Jahre in ein Sportinternat in Klingenthal. Sein Leben wurde vom harten Sportleralltag bestimmt, wobei er betonte, dass es für ihn nie ein Problem war, dem Leistungsdruck standzuhalten. Bis zur Saison 2003/04. Er hatte einen Punkt erreicht, an der er körperlich und geistig nicht mehr in der Lage war seine Leistung zu bringen. 2005 musste er seine Karriere beenden. Vor dem Ingolstädter Publikum sprach er offen über seinen stationären Aufenthalt in einer Klinik im Bad Grönebach im Allgäu, wo er sich wegen des Burnouts behandeln lies. Heute, so erklärte Hannwald, sei er gesund. Er hat mit Fußball und Motorsport neue Aufgaben im Leben gefunden, kommentiert Skisprungevents und genießt sein privates Glück. Ob und wie es eine Zukunft für ihn beim DSV geben wird, ist noch unklar. Er stehe aber weiterhin in Kontakt mit dem Verband und behält die Nachwuchsförderung im Auge. Über den Sieg im Mannschaftswettbewerb bei Olympia in Sotchi habe er sich für die deutschen Springer sehr gefreut. Sie hätten das Potential dazu und konnten ihr Können nun auch endlich demonstrieren. Auch auf Carina Vogt, der ersten Olympiasiegerin im Skispringen der Frauen, ist er stolz. Der Zuschauer konnte merken, dass Skispringen für Hannawald ein Sport ist, der ihn trotz einem neuen Leben wohl nie ganz loslassen wird.