Ingolstadt: Geiselopfer sagt aus

Jetzt hat zum ersten Mal eines der Geiselopfer vor Gericht ausgesagt. Die 26-jährige Tatjana S. war der Hauptgrund, warum der angeklagte Geiselnehmer vor einem Jahr mit Messer und Pistolenattrappe in das Rathaus in Ingolstadt kam. Der verurteilte Stalker wollte seine ehemalige Freundin zurückhaben und eine Entschuldigung der Stadt. Stockend aber gefasst erzählt die junge Frau heute im Sitzungssaal, wie ihr der Geiselnehmer im vergangenen August die Pistole an den Kopf hielt und ankündigte, abzudrücken. Nach einer dreiviertel Stunde musste die Verhandlung unterbrochen werden, weil die ehemalige Geisel in Tränen ausbrach. Der Angeklagte hatte sie während ihrer Aussage ununterbrochen fixiert.

Mit einem riesigen Medienaufgebot hat heute der Geiselnehmerprozess vor dem Ingolstädter Landgericht begonnen. Der 25-jährige Angeklagte hielt im vergangenen Jahr vier Menschen im Ingolstädter Rathaus fest.  Kamerateams, Radio- und Zeitungsreporter aus ganz Deutschland warteten gespannt, was der wegen Stalkings vorbestrafte Angeklagte zu sagen hatte. Es war nicht viel. Über seinen Anwalt ließ er verlauten, dass er die Geiselnahme in vollem Umfang gesteht. Er habe seinen Opfern aber keinen Schaden zufügen wollen und entschuldigte sich bei Ihnen. Der 25-jährige drang vergangenes Jahr ins Ingolstädter Rathaus ein, bewaffnet mit einem Jagdmesser und einer täuschend echten Nachbildung einer Pistole. Er hielt unter anderem den dritten Bürgermeister Sepp Mißlbeck gefangen. Schließlich wurde er von einem Sondereinsatzkommando mit mehreren Schüssen außer Gefecht gesetzt.  Dem Geiselnehmer drohen mindestens fünf Jahre Haft.