Dianas Hörbuch-Herbst

Jeden Montag um 10 nach 10 gibt´s im Radio-IN-Programm die besten Hörbuchtipps- und hier auch zum Nachlesen! Hörbücher sind absolut IN– denn an viele Schinken mit tausend Seiten traut man sich erst gar nicht ran…Da sind Hörbücher und Hörspiele eine tolle Alternative! Und Diana Strassburg aus der Radio IN Redaktion hört im Monat zwischen vier und sieben Hörbücher, wenn sie in die Arbeit pendelt. Sie stellt uns jede Woche ein Neues vor!

4. Jussi Adler-Olssen, „Opfer 2117“

Literaturkritiker Denis Scheck mag ihn nicht und ich bin sicher auch Marcel Reich-Ranicki hätte ihn gehasst- ich dagegen LIEBE Jussi Adler-Olssen, den König der Skandinavien-Krimis. Die recht düstere und gut konstruierte Reihe um Carl Mørck, Sonderermittler im Dezernat Q Kopenhagen und seine Assistenten Assad und Rose sind mir in den vergangenen sieben Hörspielen sehr ans Herz gewachsen. Sie graben Fälle aus, die seit Jahren als Karteileichen vermodern und die Wendungen sind immer überraschend. Die ersten vier Bücher wurden bereits verfilmt. Das aktuelle "Opfer 2117" will allerdings etwas zu viel. Die Vergangenheit vom scheinbar naiven Assistent Assad wird beleuchtet, daraus entwickelt sich eine Terror-Abwehr-Chose, im zweiten Handlungsstrang droht ein Unbekannter am Telefon seine Eltern mit einem Samuraischwert hinzurichten, weil er so entsetzt über die Flüchtlingskrise ist und ihn Opfer 2117, das an einen Strand in Zypern gespült wird an seine Oma erinnert. Da hätte weniger auch mehr sein können- ich verzeihe es Adler Olssen natürlich und werde auch weiterhin dem wunderbar sonoren Wolfram Koch seines Zeichens Tatort Kommissar lauschen, wie er dem mürrischen Mørck und co. Leben einhaucht. Wenn Sie allerdings noch keinen Titel der Reihe gehört haben, unbedingt mit dem Ersten anfangen Erbarmen und sich langsam vorarbeiten. Es lohnt sich.

Hörprobe

3. John Grisham, „Das Original“

Ich muss gestehen,ich war mit John Grisham eigentlich durch, die Firma, die Jury, der Regenmacher, ich hab die Justizkrimis alle gelesen, die Verfilmungen gesehen- darum war ich von „Das Original“ aus dem Jahre 2017 positiv überrascht. Es geht um den Diebstahl fünf handgeschriebener Romanmanuskripte eines der größten amerikanischen Schriftsteller F. Scott Fitzgerald, darunter die Originalausgabe des „Großen Gatsby“. Die Spur führt nach Florida zu einem schillernden und höchst interessanten Buchhändler auf Camino Island (so übrigens der Originaltitel des Buches). Die Versicherungsgesellschaft der bestohlenen Uni setzt eine gescheiterte Schriftstellerin auf ihn an, um auszuspionieren ob er mit gestohlenen Erstausgaben handelt. Klingt kompliziert, ist es nicht. Die Autoren die wir auf Camino Island kennenlernen und bei dem Buchhändler ein uns ausgehen sind witzig und exaltiert, die junge Schriftstellerin verfällt der lockeren Lebensart immer mehr. Ein interessanter Roman, in dem Grisham das Buch als höchstes Kulturgut feiert, gelesen vom unverwechselbaren Charles Brauer.

Hörprobe:

 

2. Niklas Natt och Dag, „1793″

Das Debut des Spiegelbestsellerautors, der aus einer alten schwedischen Adelsfamilie stammt, erschien 2019 auf deutsch und hat bereits etliche Preise eingeheimst. Es hebt sich so deutlich von gängigen Krimis ab wie kaum ein zweites. Allein schon das Ermittlerduo, Jean Michel Cardell, besoffener Veteran mit Holzarm und Cecil Winge, tuberkulöser Jurist immer nah am Totenbett mit scheinbar treuloser Gattin, ist so ungewöhnlich wie genial. Die beiden ermitteln im Stockholm des titelgebenden Jahres 1793, wo himmelschreiende Zustände im Spinnhaus für gefallene Mädchen herrschen und sich im Freudenhaus geldige Adlige jenseits der Perversion vergnügen. In drei Erzählsträngen, die sich höchst spannend zusammenfügen, löst sich das Rätsel um einen bestialischen Mord an einem jungen schönen Schweden, dem man sämtliche Gliedmaßen, Augen, Ohren und Zunge entfernt hat – Erschütternd dieses 14-einhalbstündige Hörerlebnis in einer wunderbar plastischen Sprache, man riecht und schmeckt förmlich die dreckigen Straßen Stockholms durch die sich die Ermittler schleppen. Das ganze grandios gesprochen von Philip Schepmann und Simon Roden. Im Januar erscheint Band zwei, „1794“ auf deutsch und auf den bin ich jetzt schon total gespannt!

Hörprobe: 

 

1. Joanne K. Rowling, „Ein plötzlicher Todesfall"

Fangen wir mit einem an, das mir so gut gefallen hat das ich es schon zweimal gehört habe. Ein plötzlicher Todesfall von Joanne K. Rowling. Erster Roman für Erwachsene der Harry-Potter-Mutter. Es geht um das Ableben des Gemeinderatsmitglieds Barry Fairbrother im fiktiven Örtchen Pagford. Das Gerangel um die Neubesetzung seines Postens offenbart Abgründe hinter der gutbügerlichen Fassade der Einwohner. Ob Sex-Affären, Drogenmissbrauch, psychische Störungen, Betrug oder Hehlerei… Auf der Website des Gemeinderats enthüllt jemand unter dem Pseudonym „der Geist von Barry Fairbrother“ unliebsame Wahrheiten. Rowlings Buch ist auch eine kritische Sozialstudie, denn anhand der 16-jährigen Krystal Weedon, freizügige Rotznase der Unterschicht mit Drogenmutter, deren einziges Talent Rudern mit dem Tod des Trainers Fairbrother den Bach runtergeht, zeigt sich die Diskrepanz zwischen der Sozialbausiedling „Fields“ und dem ach so beschaulichen Pagford. Steigt man erstmal durch die Figuren der Mollisons, Jawandas, Walls, Bowdens durch, hat man 19 Stunden sarkastischen, lustigen, traurigen Hörgenuss vom Feinsten höchst autenthisch gelesen von Schauspieler Christian Berkel bekannt als der Kriminalist.

Hörprobe: